Mittwoch

16. November 2016

 

VORLETZTER SONNTAG IM KIRCHENJAHR
BUSS- UND BETTAG

Weltgericht

 

Predigttext

 

Röm 2, 1-11 (II. Reihe/Rev. II)

Tagesspruch

 

Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben

Tageslied

 

Aus tiefer Not laßt uns zu Gott (EG 144)
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott (EG 146)


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Epistel   Evangelium

Gebete: Morgen   Mittag   Abend

Alttestamentliche Lesung

Höret des HERRN Wort, ihr Herren von Sodom! Nimm zu Ohren die Weisung unsres Gottes, du Volk von Gomorra! Was soll mir die Menge eurer Opfer? spricht der HERR. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke. Wenn ihr kommt, zu erscheinen vor mir - wer fordert denn von euch, daß ihr meinen Vorhof zertretet? Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Greuel! Neumonde und Sabbate, wenn ihr zusammenkommt, Frevel und Festversammlung mag ich nicht! Meine Seele ist feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin's müde, sie zu tragen. Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut. Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, laßt ab vom Bösen! Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht, führet der Witwen Sache!
Jes 1, 10-17 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Nicht Opfer und Festfeier heiligen den Menschen. Es hilft der Seele nichts, ob ein Mensch »leiblich bete, faste, walle und alle guten Werke tue«. Der wahre Gottesdienst beginnt mit der Reinigung unser selbst und dem Hören auf Gottes Wort, er wird verwirklicht durch Werke der Barmherzigkeit. »Darum sollte das billig aller Christen einziges Werk und Übung sein, daß sie das Wort und Christum wohl in sich bildeten, solchen Glauben stetig übten und stärkten.« (Luther) (Spieker [5], S. 262)

Epistel

Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest. Wir wissen aber, daß Gottes Urteil recht ist über die, die solches tun. Denkst du aber, o Mensch, der du die richtest, die solches tun, und tust auch dasselbe, daß du dem Urteil Gottes entrinnen wirst? Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? Du aber mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst Zorn an auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der einem jeden geben wird nach seinen Werken: ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit; Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die Böses tun, zuerst der Juden und ebenso der Griechen; Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden allen denen, die Gutes tun, zuerst den Juden und ebenso den Griechen. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.
Röm 2, 1-11 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Nicht das bessere Wissen, welches ein treffsicheres Urteil über andere abzugeben vermag, schafft vor Gott einen Vorzug; auch ist Gottes Nachsicht und zuwartende Geduld kein »Ja« zu deinem Leben, wie es ist. Gottes Langmut zielt auf deine radikale Umkehr, und Sein Urteil richtet sich nicht auf dein Wissen, sondern auf dein Tun. Gott fragt nach dem Werk des Glaubens und straft das selbstsüchtige Streben und den Ungehorsam, bei wem immer sie sich finden. (Spieker [5], S. 324)

Evangelium

[Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, daß diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen. Oder meint ihr, daß die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.]
Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam und suchte Frucht darauf und fand keine.Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum und finde keine. So hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge; vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab.
Luk 13, (1-5) 6-9 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Tief ist in uns Menschen eingepflanzt ein Wissen um den Zusammenhang zwischen Schicksalsschlägen und menschlicher Schuld. Der Herr leugnet diesen Zusammenhang nicht, aber Er warnt davor, in den bei einer Katastrophe Umgekommenen vornehmlich die von Gott Gestraften zu erblicken, vielmehr läßt Er uns bei solchem Geschehen den Bußruf an alle vernehmen. Immer aber dürfen auch die Überlebenden die Gnadenfrist erkennen, die ihnen zur Umkehr gelassen ist. (Spieker [5], S. 324)

Abend

Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; laßt uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verpraßt hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.
Luk 15, 11-32 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Die Heimkehr des verlorenen Sohnes geschieht ohne Anspruch, nur mit dem Verlangen, zuzugehören zur Gemeinschaft des Vaterhauses. Daran erkennt der Vater die Auferstehung seines Sohnes durch das Wunder der Gnade, und der Jubel bricht auf über den Sünder, der Buße tut.
Der ältere Bruder ist in Gefahr, sich selber auszuschließen aus der Gemeinschaft der Feiernden, er will noch nicht einmal den heimgekehrten Bruder begrüßen. Dabei hat er immer unter der Güte des Vaters gelebt und hatte teil an seinem ganzen Besitz. Aber sein Herz ist eng und kann das Außerordentliche dieser Stunde der Heimkehr nicht fassen. (Spieker [5], S. 190 f.)


Tagesspruch

Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben
Spr. 14, 34 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Wir gehen den Nöten unseres Volkes auf den Grund, indem wir nicht nach den "Schuldigen" fragen, die wir bestrafen könnten, sondern indem wir jene Nöte begreifen als Gericht über unseren Ungehorsam; und in anderen Völkern mag das Gleiche geschehen. Welche Gebote Gottes sind übertreten, vergessen oder gar geleugnet? Welche Ordnungen sind zerbrochen und entheiligt? Daß wir nur nicht die deutliche Erkenntnis unseres konkreten Ungehorsams versäumen über bequemen und unverbindlichen Redensarten von allgemeiner menschlicher Schwäche und Sündhaftigkeit! Weil die Sünde, das heißt die Loslösung von Gott, nicht nur einzelnen "Leuten", sondern auch den Völkern zum Verderben gereicht, darum gibt es keinen wichtigeren "Dienst am Volk", als den Kampf für die "Gerechtigkeit", das heißt für die Erfüllung der Ordnung, die Gott dem Leben eingestiftet hat, für die Ehrfurcht vor dem heiligen Gott und für das rechte menschliche Miteinander, in dem sich die Liebe Gottes und das göttliche Werk der Versöhnung abbildet und verwirklicht. (Spieker [5], S. 228)
 

© Joachim Januschek
Letzte Änderung: 16-10-02
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