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Lesung im Kirchenjahr
22. Sonntag nach Trinitatis
In Gottes Schuld


Sonntag
Montag
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
Samstag

 

Bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte.
Ps. 130, 4 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Immer stehen wir vor Gott und müssen bekennen: Wir sind unheilig und ungeschickt zum Gehorsam. Immer sind wir in Gottes Schuld. Und immer steht Gott über uns und neigt sich aus der Höhe herab zu unserer Niedrigkeit und füllt aus Seinem Reichtum unsere leeren Hände. Immer ist Gottes Gnade ein unverdientes Geschenk, ein unbegreifliches Wunder. Das ist Gottes Größe und Heiligkeit, daß Er Sünde vergibt und die Toten zum Leben erweckt. Wer Gottes Liebe als selbstverständliches Recht beansprucht, hat Gotttes Güte mit gutmütiger Schwäche verwechselt. Vergebende Liebe verpflichtet tiefer als fordernde Strenge; vergebene Schuld bindet uns unauflöslich in Furcht und Liebe an Gott, den heiligen Vater.
(Spieker [5], S. 296 f.)

Sonntag

22. SONNTAG NACH TRINITATIS

 

Wochenspruch

 

Bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte.

Wochenlied

 

Herr Jesu, Gnadensonne (EG 404)


Vorabend
 
Dies ist das Wort, das vom HERRN geschah zu Jeremia: Tritt ins Tor am Hause des HERRN und predige dort dies Wort und sprich: Höret des HERRN Wort, ihr alle von Juda, die ihr zu diesen Toren eingeht, den HERRN anzubeten! So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Bessert euer Leben und euer Tun, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort. Verlaßt euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel! Sondern bessert euer Leben und euer Tun, daß ihr recht handelt einer gegen den andern und keine Gewalt übt gegen Fremdlinge, Waisen und Witwen und nicht unschuldiges Blut vergießt an diesem Ort und nicht andern Göttern nachlauft zu eurem eigenen Schaden, so will ich immer und ewig bei euch wohnen an diesem Ort, in dem Lande, das ich euren Vätern gegeben habe. Aber nun verlaßt ihr euch auf Lügenworte, die zu nichts nütze sind. Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und opfert dem Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt. Und dann kommt ihr und tretet vor mich in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: Wir sind geborgen, - und tut weiter solche Greuel. Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Räuberhöhle? Siehe, ich sehe es wohl, spricht der HERR.
Jer 7, 1-11 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Die Gefahr der falschen Sicherheit - »Hier ist des Herrn Tempel« - bedroht jedes Volk und jede Kirche, denen einmal Gottes Begnadung widerfahren ist. Gott bindet sich nicht an ein bestimmtes Volk ider eine bestimmte Einzelkirche - was einmal Segen ind Leben war, kann erstarren zur leeren Form. Gottes Gnade verpflichtet uns zum Gehhorsam, zur Erfüllung ganz bestimmter Aufgaben, die uns Gott in der Not der Fremdlinge, Flüchtlinge, Waisen und Witwen vor die Füße gelegt hat. (Spieker [5], S. 231)
 
Alttestamentliche Lesung
 
»Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?« Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
Micha 6, 6-8 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
In diesem »prophetischen Katechismus« (V. 8) weist der Prophet hin auf Christus, der Gottes- und Nächstenliebe höher stellt als »alle Brandopfer und Schlachtopfer«. Nur aus dem vollkommenen Opfer Christi strömt uns die Kraft, unser Opfer des Willens und Gehorsams darzubringen. (Spieker [5], S. 50)
 
Epistel
 
Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke - was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden -, für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis heute; und ich bin darin guter Zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu. Wie es denn recht und billig ist, daß ich so von euch allen denke, weil ich euch in meinem Herzen habe, die ihr alle mit mir an der Gnade teilhabt in meiner Gefangenschaft und wenn ich das Evangelium verteidige und bekräftige. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund in Christus Jesus. Und ich bete darum, daß eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, so daß ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi, erfüllt mit Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus zur Ehre und zum Lobe Gottes.
Phil 1, 3-11 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Der Apostel ist mit seiner Gemeinde verbunden in Dank und Fürbitte. Sein Gedenken umgreift den Weg der Gemeinde von ihrer Gründung an bis zu ihrer Vollendung. Eine Gemeinde steht immer in den Anfängen, sie bedarf, daß sie zunehme in der rechten Liebe, die gepaart ist mit Takt und Urteilskraft. Am Gerichtstag Christi wird offenbar werden, ob das in ihr gewachsene Leben echt und ihr Wachstum fruchttragend ist. (Spieker [5], S. 297)
 
Evangelium
 
Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig. Da er's nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen. Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir's alles bezahlen. Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir's bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war. Als aber seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.
Matth 18, 21-35 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Du bist mit deinem Bruder, der an dir sündigt, nicht allein, sondern du bist mit ihm unter Gott, bei dem auch du in der Schuld stehst. Diese Schuld hat sich angehäuft dein Keben lang, und nur davon lebst du, daß Gott dich, Seinen Schuldner, in großer Langmut trägt, ja, dir vergibt. Um dieser Vergebung willen ist Gott zu fürchten: wer die vergebende Gnade seinem Bruder versagt, der schaltet sich selber aus dem Stromkreis göttlicher Gnade aus und verfällt dem gnadenlosen Zorn. (Spieker [5], S. 298)
 
Abend
 
Als {aber} das Volk sah, daß Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zurückkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat. Aaron sprach zu ihnen: Reißet ab die goldenen Ohrringe an den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter und bringt sie zu mir. Da riß alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat! Als das Aaron sah, baute er einen Altar vor ihm und ließ ausrufen und sprach: Morgen ist des HERRN Fest. Und sie standen früh am Morgen auf und opferten Brandopfer und brachten dazu Dankopfer dar. Danach setzte sich das Volk, um zu essen und zu trinken, und sie standen auf, um ihre Lust zu treiben.
Mose {wandte sich und} stieg vom Berge und hatte die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand; die waren beschrieben auf beiden Seiten. Und Gott hatte sie selbst gemacht und selber die Schrift eingegraben. Als nun Josua das Geschrei des Volks hörte, sprach er zu Mose: Es ist ein Kriegsgeschrei im Lager. Er antwortete: Es ist kein Geschrei wie bei einem Sieg, und es ist kein Geschrei wie bei einer Niederlage, ich höre Geschrei wie beim Tanz. Als Mose aber nahe zum Lager kam und das Kalb und das Tanzen sah, entbrannte sein Zorn, und er warf die Tafeln aus der Hand und zerbrach sie unten am Berge und nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und ließ es im Feuer zerschmelzen und zermalmte es zu Pulver und streute es aufs Wasser und gab's den Israeliten zu trinken.
2.Mose 32, 1-6. 15-20 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
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Montag

22. SONNTAG NACH TRINITATIS

Morgen
 
In Ephraim ist allenthalben Lüge wider mich und im Hause Israel falscher Gottesdienst. Aber auch Juda hält nicht fest an Gott und an dem Heiligen, der treu ist. Ephraim weidet Wind und läuft dem Ostwind nach, und täglich mehrt es die Lüge und Gewalttat. Sie schließen mit Assur einen Bund und bringen Öl nach Ägypten. Darum wird der HERR mit Juda rechten. Er wird Jakob heimsuchen nach seinem Wandel und ihm vergelten nach seinem Tun. Er hat schon im Mutterleibe seinen Bruder betrogen und im Mannesalter mit Gott gekämpft. Er kämpfte mit dem Engel und siegte, er weinte und bat ihn. Dann hat er ihn zu Bethel gefunden und dort mit ihm geredet - der HERR ist der Gott Zebaoth, HERR ist sein Name -. So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
Hos 12, 1-7 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Abend
 
Alle, Juden wie Griechen, sind unter der Sünde, wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie, Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit. Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, und den Weg des Friedens kennen sie nicht. Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen.« Wir wissen aber: was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen der Mund gestopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei, weil kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein kann. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.
Röm 3, 9b-20 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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Dienstag

22. SONNTAG NACH TRINITATIS

Morgen
 
So sprach der HERR: Geh hin und kaufe dir einen irdenen Krug vom Töpfer und nimm mit etliche von den Ältesten des Volks und von den Ältesten der Priester und geh hinaus ins Tal Ben-Hinnom, das vor dem Scherbentor liegt, und predige dort die Worte, die ich dir sage, und sprich: Höret des HERRN Wort, ihr Könige von Juda und ihr Bürger Jerusalems! So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will ein solches Unheil über diese Stätte bringen, daß jedem, der es hören wird, die Ohren gellen sollen, weil sie mich verlassen und diese Stätte einem fremden Gott gegeben und dort andern Göttern geopfert haben, die weder sie noch ihre Väter noch die Könige von Juda kannten, und weil sie die Stätte voll unschuldigen Blutes gemacht. Und du sollst den Krug zerbrechen vor den Augen der Männer, die mit dir gegangen sind, und zu ihnen sagen: So spricht der HERR Zebaoth: Wie man eines Töpfers Gefäß zerbricht, daß es nicht wieder ganz werden kann, so will ich dies Volk und diese Stadt zerbrechen. Und man wird im Tofet begraben, weil sonst kein Raum dafür da sein wird. So will ich's mit dieser Stätte und ihren Bewohnern machen, spricht der HERR, daß diese Stadt wie das Tofet werden soll. Und die Häuser Jerusalems und die Häuser der Könige von Juda sollen ebenso unrein werden wie die Stätte Tofet, alle Häuser, wo sie auf den Dächern dem ganzen Heer des Himmels geopfert und andern Göttern Trankopfer dargebracht haben.
Jer 19, 1-4.10-13 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Abend
 
Das Gebet Manasses, des Königs von Juda, als er in Babel gefangen war. Herr, Allmächtiger, Gott unsrer Väter, Abrahams, Isaaks und Jakobs, und ihrer gerechten Nachkommen, der du Himmel und Erde und alles, was darinnen ist, gemacht hast und hast das Meer gebunden durch dein Gebot und hast die Tiefe verschlossen und versiegelt durch deinen furchterregenden und herrlichen Namen, daß jedermann vor dir erschrecken und sich vor deiner großen Macht fürchten muß! Denn nicht zu ertragen ist dein Zorn, mit dem du die Sünder bedrohst. Aber die Barmherzigkeit, die du verheißt, ist unermeßlich und unausforschlich. Denn du bist der Herr, der Allerhöchste über dem ganzen Erdkreis, von großer Geduld und sehr gnädig, und du bestrafst die Menschen nicht gern. Du, Herr, hast nach deiner großen Güte Buße zur Vergebung der Sünden verheißen. Nun aber beuge ich die Knie meines Herzens und bitte dich, Herr, um Gnade. Ach Herr, ich habe gesündigt, ja, ich habe gesündigt und erkenne meine Missetat. Ich bitte und flehe: Vergib mir, Herr, vergib mir! Laß mich nicht in meinen Sünden verderben und laß die Strafe nicht auf mir bleiben; sondern du wollest mir Unwürdigem helfen nach deiner großen Barmherzigkeit; so will ich mein Leben lang dich loben. Denn dich lobt das ganze Himmelsheer, ja, dich soll man preisen immer und ewig. Amen.
Man 1-7.11-16 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
oder
 
{Und} um das Abendopfer faßte ich mich und stand auf in meinem zerrissenen Kleid und Mantel, fiel auf meine Knie und breitete meine Hände aus zu dem HERRN, meinem Gott, und sprach: Mein Gott, ich schäme mich und scheue mich, meine Augen aufzuheben zu dir, mein Gott; denn unsere Missetat ist über unser Haupt gewachsen, und unsere Schuld ist groß bis an den Himmel. Von der Zeit unserer Väter an sind wir in großer Schuld gewesen bis auf diesen Tag, und um unserer Missetat willen sind wir und unsere Könige und Priester in die Hand der Könige der Länder gegeben worden, ins Schwert, ins Gefängnis, zum Raub und zur Schmach, so wie es heute ist. Nun aber ist uns einen kleinen Augenblick Gnade vor dem HERRN, unserm Gott, geschehen, daß er uns noch Errettete übriggelassen und uns einen festen Halt an seiner heiligen Stätte gegeben hat, um unsere Augen aufleuchten und uns ein wenig aufleben zu lassen in unserer Knechtschaft. Denn wir sind Knechte, aber unser Gott hat uns nicht verlassen in unserer Knechtschaft und hat uns die Gunst der Könige von Persien zugewandt, daß er uns wieder aufleben läßt, um das Haus unseres Gottes aufzubauen und es aus seinen Trümmern wieder aufzurichten, damit er uns ein Bollwerk in Juda und Jerusalem gebe. Aber nach allem, was über uns gekommen ist um unserer bösen Werke und großen Schuld willen - und du, unser Gott, hast unsere Missetat nicht bestraft, wie wir's verdient hätten, und hast uns diese Schar von Erretteten gegeben -, sollten wir wiederum deine Gebote übertreten, daß wir uns vermischten mit den Völkern, die diese Greuel tun? Wirst du nicht über uns zürnen, bis es ganz aus ist, so daß es weder einen Rest noch Entronnene gibt? HERR, Gott Israels, du bist getreu; denn wir sind übriggeblieben als Errettete, wie es heute ist. Siehe, hier sind wir vor dir in unserer Schuld; darum können wir nicht bestehen vor deinem Angesicht.
Esra 9, 5-9.13-15 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Esra erkennt mit Schrecken: wir sind ja immer noch in der Schuld Gottes wie unsre Väter. Aber solange Er uns noch »eine Rast an Seiner heiligen Stätte« läßt, sind wir nicht aus Seiner Gnade gefallen. Diese Gnade ist's, die stärker als alle Strafen uns in die Umkehr und zur Erneuerung treibt. (Spieker [5], S. 298)

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Mittwoch

22. SONNTAG NACH TRINITATIS

Morgen
 
Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen?, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge. Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.
[Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.]
Matth 7, 1-5 (6) Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Wer Gottes vergebende Güte an sich erfahren hat, der weiß, daß ihm mehr vergeben ist, als er andern zu vergeben hat. Es vergeht ihm, andere zu richten, er ist bereit, ihre Person und ihr Leben mit dem Maß der verstehenden Liebe zu messen. Bei sich selbst aber wird er anfangen, zu bekämpfen und abzulegen, was vor Gottes Augen nicht bestehen kann. (Spieker [5], S. 298)
 
Abend
 
Jakob hob seine Augen auf und sah seinen Bruder Esau kommen mit vierhundert Mann. Und er verteilte seine Kinder auf Lea und auf Rahel und auf die beiden Leibmägde und stellte die Mägde mit ihren Kindern vornean und Lea mit ihren Kindern dahinter und Rahel mit Josef zuletzt. Und er ging vor ihnen her und neigte sich siebenmal zur Erde, bis er zu seinem Bruder kam. Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küßte ihn, und sie weinten. Und Esau hob seine Augen auf und sah die Frauen mit den Kindern und sprach: Wer sind diese bei dir? Er antwortete: Es sind die Kinder, die Gott deinem Knecht beschert hat. Und die Mägde traten herzu mit ihren Kindern und neigten sich vor ihm. Lea trat auch herzu mit ihren Kindern, und sie neigten sich vor ihm. Danach traten Josef und Rahel herzu, und sie neigten sich auch vor ihm. Und Esau sprach: Was willst du mit all den Herden, denen ich begegnet bin? Er antwortete: Daß ich Gnade fände vor meinem Herrn. Esau sprach: Ich habe genug, mein Bruder; behalte, was du hast. Jakob antwortete: Ach nein! Hab ich Gnade gefunden vor dir, so nimm mein Geschenk von meiner Hand; denn ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht, und du hast mich freundlich angesehen. Nimm doch diese Segensgabe von mir an, die ich dir zugebracht habe; denn Gott hat sie mir beschert, und ich habe von allem genug. So nötigte er ihn, daß er sie nahm.
1.Mose 33, 1-11 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Jakob stand in Esaus Schuld, Esau aber stand in der Schuld Gottes durch Verachtung seiner Erstgeburt. In der Versöhnung der feindlichen Brüder wird sichtbar, daß über beiden die Vergebung Gottes steht; darum kann Jakob zu seinem Bruder sagen: »ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht.« (Spieker [5], S. 299)

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Donnerstag

22. SONNTAG NACH TRINITATIS

Morgen
 
Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich kenne deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weißt nicht, daß du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß. Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest. Welche ich liebhabe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße! Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!
Offb 3, 14-22 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Reich, satt und selbstzufrieden waren die Gäste, welche die Einladung zur königlichen Hochzeit verschmähten; seiner eignen Armut und Blöße wurde der Mensch nicht gewahr, welcher meinte, des »hochzeitlichen Kleides« nicht zu bedürfen. Deshalb ergeht der Bußruf an die Gemeinde: der kommende Christus steht bereits als der Anklopfende vor der Tür. Er will, daß wir durch Umkehr und Reinigung uns bereiten zum seligen Mahl der endgültigen Gemeinschaft mit Ihm. (Spieker [5], S. 291)
 
Abend
 
[Er] Jesus sprach {aber} zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß keine Verführungen kommen; aber weh dem, durch den sie kommen! Es wäre besser für ihn, daß man einen Mühlstein an seinen Hals hängte und würfe ihn ins Meer, als daß er einen dieser Kleinen zum Abfall verführt. Hütet euch! Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm. Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben. Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, daß er getan hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.
Luk 17, 1-10 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Der Herr läßt keine Zweifel darüber, wie ernst Er es nimmt, wenn ein Mensch den »Kleinen«, d. h. den kindlich Glaubenden, die sich nicht wehren können, ein »Ärgernis« bereitet. Wenn ein solcher Mensch ins Meer geworfen würde, damit er keinen Schaden anrichten kann, so wäre ihm das besser, als wenn er am Leben bliebe. Einen ganz besonders schweren Anstoß bereitet der Unversöhnliche, denn er verleugnet die vergebende Liebe Gottes, die in Christus erschienen ist.(Spieker [5], S. 298 f. zu V. 1-4)
 
Zu wie großen Dingen auch immer die Jünger im Glauben berufen sein mögen - sie bleiben bei ihrem Werk stets in der Dienstbarkeit als die Knechte Gottes, die vor ihrem Herrn keine Anspruch auf Dank haben. »Ein Christenmensch ist eben als ein Zimmerbeil Gottes, da Gott Sein Haus mit bauet.« Wir müssen dankbar sein, wenn Gott uns als Seine Werkzeuge gebraucht. (Spieker [5], S. 76 zu V. 5-10)

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Freitag

22. SONNTAG NACH TRINITATIS

Morgen
 
Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln, ihn zu fragen: Herr, bin ich's? Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.
Matth 26, 20-25 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Abend
 
Daran erkennen wir, daß wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm damit zum Schweigen bringen, daß, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge. Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Zuversicht zu Gott, und was wir bitten, werden wir von ihm empfangen; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist. Und das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander, wie er uns das Gebot gegeben hat. Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, daß er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.
1.Joh 3, 19-24 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
»Gott ist größer als unser Herz«: Der Jünger Petrus flüchtet sich mit der Schuld der dreifachen Verleugnung in die Allwissenheit seines Herrn, der nicht übersieht, daß der Verleugner Ihn dennoch lieb hat. Unsre Sünden vermögen Gottes Güte und Vergebungsmacht nicht zu überwiegen. Aber diese Gewißheit von der überragenden Macht der göttlichen Güte bleibt uns nur erhalten, solange wir selber in der Liebe stehn. (Spieker [5], S. 299)

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Samstag

22. SONNTAG NACH TRINITATIS

Morgen
 
{Aber} du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Denn deine Kraft gewaltig zu erweisen ist dir allezeit möglich, und wer kann der Macht deines Arms widerstehen? Denn die ganze Welt ist vor dir wie ein Stäublein an der Waage und wie ein Tropfen des Morgentaus, der auf die Erde fällt. Aber du erbarmst dich über alle; denn du kannst alles, und du übersiehst die Sünden der Menschen, damit sie sich bessern sollen. Denn du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast; denn du hast ja nichts bereitet, gegen das du Haß gehabt hättest. Wie könnte etwas bleiben, wenn du nicht wolltest? Oder wie könnte erhalten werden, was du nicht gerufen hättest? Du schonst aber alles; denn es gehört dir, Herr, du Freund des Lebens, und dein unvergänglicher Geist ist in allem. Darum bestrafst du die, die fallen, nur leicht und warnst sie, indem du sie an ihre Sünden erinnerst, damit sie von ihrer Schlechtigkeit loskommen und an dich, Herr, glauben.
Weish 11, 21 - 12, 2 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
oder
 
So kommt denn und laßt uns miteinander rechten, spricht der HERR. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden. Wollt ihr mir gehorchen, so sollt ihr des Landes Gut genießen. Weigert ihr euch aber und seid ungehorsam, so sollt ihr vom Schwert gefressen werden; denn der Mund des HERRN sagt es. Wie geht das zu, daß die treue Stadt zur Hure geworden ist? Sie war voll Recht, Gerechtigkeit wohnte darin; nun aber - Mörder. Dein Silber ist Schlacke geworden und dein Wein mit Wasser verfälscht. Deine Fürsten sind Abtrünnige und Diebsgesellen, sie nehmen alle gern Geschenke an und trachten nach Gaben. Den Waisen schaffen sie nicht Recht, und der Witwen Sache kommt nicht vor sie. Darum spricht der Herr, der HERR Zebaoth, der Mächtige Israels: Wehe! Ich werde mir Trost schaffen an meinen Feinden und mich rächen an meinen Widersachern und will meine Hand wider dich kehren und wie mit Lauge ausschmelzen, was Schlacke ist, und all dein Zinn ausscheiden. Und ich will dir wieder Richter geben, wie sie vormals waren, und Ratsherren wie im Anfang. Alsdann wirst du eine Stadt der Gerechtigkeit und eine treue Stadt heißen. Zion muß durch Gericht erlöst werden und, die zu ihr zurückkehren, durch Gerechtigkeit.
Jes 1, 18-27 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 
Der Prophet hat selbst erfahren, daß Gott Sünde wegnehmen kann, als der Seraph mit glühender Kohle seine Lippen berührte. Warum soll Er nicht die Sünde, die auf einem ganzrn Lande liegt, tilgen können, daß das Volk frei wird von Schuld, sei Gewissen »weiß wie Schnee« und »rein wie Wolle« ? Freilich eine unerläßliche Bedingung: daß die Umkehr echt und der Gehorsam nachhaltig ist. (Spieker [5], S. 284)
 
Abend


© Joachim Januschek
Letzte Änderung: 04-11-24
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